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Gröpelinger News Online | Interview mit Kasem Hasan

Interview mit Kasem Hasan, Zahnarzt, ehemaliger Sekretär der Zahnärztekammer in Syrien. Kasem Hasan wohnt mit seiner Familie in Gröpelingen.

Solidarisch in Gröpelingen (SiG): Inwiefern hat sich dein Alltag durch Corona verändert?

Hasan: Mein Leben war vorher langweilig und diese Langeweile hat sich vertieft und verstärkt. Ich hatte einen C1-Deutsch-Aktivierungskurs / Coaching-Kurs gefunden, aber er wurde durch Corona verschoben. Ich hatte vorher schon seit einem Jahr nach einem passenden Sprachkurs für mich gesucht. Jetzt wiederhole ich meinen Lehrplan für medizinische Fachsprache.

SiG: Hat sich die Stimmung im Gröpelingen durch die Corona-Krise verändert?

Hasan: Die Menschen haben Angst, sie gehen wenig auf die Straße, manche tragen Schutzmasken. Sie halten Abstand zu anderen. Ich habe ein bisschen mit meinen Nachbarn gesprochen, sie sagen ihnen geht es soweit gut mit Corona. Wir haben jetzt aber weniger Kontakt, sagen nur noch Hallo.

SiG: Was hast du für Wünsche, für Ideen, was könnte besser sein?

Ich denke wir müssen bis Ende Mai warten, da es jetzt noch keine Lösung für das Problem mit Corona gibt. Die Schulen sollten noch bis mindestens Ende Mai geschlossen bleiben.Was mir wichtig ist: es gibt viele Flüchtlinge, die Ärzte sind. Sie können wegen der Bürokratie keine deutsche Approbation machen, da sie dafür fließend deutsch sprechen müssten. Aber das Deutsch verbessert sich, wenn man arbeitet. Und wir können im Bereich Medizin gut Deutsch sprechen, wir können die Fachsprache und wir möchten arbeiten und den Leuten helfen.
Das größte Problem in Italien war, dass es zu wenig Ärzte gab und dass sich auch viele Ärzte infiziert haben. Ärzte, die nach Deutschland geflüchtet oder migiriert sind, können auch helfen und ihre Rolle spielen, statt nur zu Hause zu sitzen.

SiG: Wie schätzt du die langfristigen Folgen der Corona-Krise ein, zum Beispiel wirtschaftlich oder sozial-psychologisch?

Hasan: Corona hat im Leben der Menschen und auch in der Wirtschaft viele Veränderungen gebracht. Es war ein Schock, für Menschen und auch für Betriebe. Ich denke wir stehen politisch und wirtschaftlich am Anfang einer neuen Periode. Die Regierungen müssen Fehler korrigieren. Die Regierung ändern muss z.B. das Gesundheitssystem verbessern und es sollte auch weniger Bürokratie im deutschen Gesundheitssystem geben.
Deutschland sollte auch Flüchtlinge schneller in Arbeit integrieren und ihnen helfen einen Job zu finden. Ich bin seit 4 Jahren in Deutschland und kann nicht in meinem Beruf arbeiten – warum? Es gibt auch nicht genug Kurse für Fachsprache. In Italien und Spaniern gibt es viele Probleme im Gesundheitssystem, wie auch in den USA. Deutschland und auch alle anderen Länder müssen ihre Vorbereitungen in Zukunft verbessern, nicht nur für Epidemien.

SiG: Der Staat nimmt durch die Maßnahmen zur Eindämmung von Corona weniger Steuern ein und gibt mehr Gelder aus, zum Beispiel für die Rettung von Unternehmen. Denkst du es wird nach der Krise in Deutschland weniger Geld geben, zum Beispiel für Deutschkurse oder für Arbeitslose?

Hasan: Deutschland ist ein großes industrielles Land, es hat viel Geld, in 2 bis 4 Monaten gibt es keine Probleme für Deutschland. In Frankreich, Italien, Spanien ist es katastrophal. Deutschland sollte anderen Ländern in Europa helfen. Deutschland sollte mit anderen Ländern solidarisch sein.

SiG: Was muss sich nach der Krise ändern? Wo siehst du dringend Handlungsbedarf?

Ich denke Deutschland und auch die anderen Länder müssen in vielen Bereichen besser werden, um Epidemien und Krisen zu vermeiden.
Wichtig finde ich eine schnellere Integration von Flüchtlingen in Arbeit, Verbesserungen im Gesundheitssystem, und mehr Investitionen in Forschung. Flüchtlinge könnten in der aktuellen Zeit auch Masken machen, es viele Schneider. Aber niemand hat sich gemeldet, niemand hat gefragt.

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